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Samstag, Juli 09, 2005

Kjell Carlström!

Dieses Jahr verfolge ich die „Tour de France“ besonders aufmerksam, immer darauf konzentriert, ein hellgrünes Trikot der Liquigas-Bianchi-Mannschaft zu erblicken, in dem der Finne Kjell Carlström steckt. Er ist erst der zweite Finne nach Joona Laukka, der an der Tour teilnimmt und wenn man nach dem Namen geht, wohl der erste Finnland-Schwede überhaupt.
Als „angeheirateter Landsmann“ heißt es da natürlich Daumen drücken.
Seinen bisher besten Auftritt hatte er am letzten Mittwoch, als er in einer fünfköpfigen Ausreißergruppe für viele Kilometer das Feld anführte. Im Gesamtklassement steht er momentan auf Rang 144, was aber nicht wirklich aussagekräftig ist. Seine Aufgabe ist es nicht eine gute Position für sich selbst zu erzielen, sondern für das Team zu arbeiten, d.h. Nachführarbeit im Wind zu erledigen, Sprints vorzubereiten oder auch mal Verpflegung zu holen. Carlström ist amtierender finnischer Meister im Zeitfahren. Das lässt mich leider befürchten, dass er in der nächsten Woche, wenn es in die Berge geht, kaum noch mal im Fokus der Fernsehkameras auftauchen wird. Heute hat er auch schon fast 18 Minuten verloren, obwohl es nur über ein paar kleinere Berge ging.
Mein Dienstplan ist dieses Jahr zum Glück größtenteils Tour-freundlich. Nur viermal habe ich während dieser drei Wochen Spätdienst. Ansonsten bekomme ich alles Wichtige live mit!
Für so manchen ist meine Tour-Leidenschaft nicht ganz nachzuvollziehen. „Die fahren stundenlang rum und am Ende ist einer ein paar Sekunden schneller im Ziel als der Zweite.“
Kann ja sein, aber was sich in den Stunden davor abspielt ist meistens das wirklich Spannende. Die unterschiedlichen Teamtaktiken, das gegenseitige Belauern und Suchen von Chancen, das Überschreiten von Limits und die gequälten Gesichter der am Berg Distanzierten, das alles fasziniert mich jetzt schon seit gut 15 Jahren. An Jan Ullrich will ich das gar nicht festmachen. Es ist eher traurig Jahr für Jahr mit ansehen zu müssen wie ein solches Talent seine gegebenen Möglichkeiten immer wieder verschenkt. Viel mehr Sympathien habe ich für Draufgänger wie Jens Voigt oder früher Richard Virenque, Jacky Durand und Fernando Escartin.

Vive le tour!

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